Bindegewebe

Bindegewebe: So wichtig ist es

Jede Frau und jeder Mann hat es: Bindegewebe. Es erfüllt vielfältige Aufgaben im Körper und prägt Aussehen und Beschaffenheit der Haut. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen, was das Bindegewebe genau ist, welche Funktionen es erfüllt und wie es sich bei Frauen und Männern unterscheidet. Schließlich zeigen wir Ihnen noch Faktoren auf, die es schwächen können. Ein kleiner Tipp vorab: Lesen Sie auch unseren Blog-Beitrag „Bindegewebe stärken: Diese Methoden gibt es“, wenn Sie wissen möchten, wie Sie Ihr Bindegewebe positiv beeinflussen können.

Bindegewebe: Was ist das?

Das Bindegewebe gehört den vier Gewebearten des menschlichen Organismus an. Die anderen drei sind das Epithelgewebe (Zellschichten, die fast alle inneren und äußeren Körperoberflächen bzw. Drüsen bedecken), das Muskelgewebe und das Nervengewebe. Jede Gewebeart unterscheidet sich je nach Funktion und hat einen unterschiedlichen Aufbau.

Es verbindet, trennt und stützt alle anderen Gewebearten im Körper. Wie ein Klebstoff hält es alle anderen Gewebe zusammen und sorgt dafür, dass die Organsysteme harmonisch funktionieren. Es besteht aus Zellen, die von einem Flüssigkeitskompartiment umgeben sind – die sog. extrazelluläre Matrix (kurz: EZM). Die Zellen des Bindegewebes liegen lose in der EZM – im Gegensatz zu den Zellen anderer Typen.

Hintergrundwissen: Arten von Bindegewebe

Es gibt verschiedene Arten von Bindegewebe, die sich aufgrund des Verhältnisses von Zellen zur extrazellulären Matrix zwischen geformtem und ungeformtem Bindegewebe unterschieden. Darüber hinaus gibt es eine weitere Gliederung nach morphologischen Kriterien:

Zum faserigen Bindegewebe gehören:

  • das straffe Bindegewebe
    inkl. straffem parallelfaserigem Bindegewebe, straffem geflechtartigem Bindegewebe, straffem elastischem Bindegewebe – kommt in Teilen des Körpers vor, die auf eine starke Zugfestigkeit angewiesen sind wie Bänder oder Sehnen
  • das lockere Bindegewebe
    findet sich z. B. im Verdauungstrakt und den Atemwegen, den Schleimhäuten des Uro-Genitaltraktes, den Drüsen sowie in Falten von Körperhöhlen und in der Lederhaut
  • das areoläre Bindegewebe
    inkl. interstitiellem Bindegewebe – kommt z. B. im Bereich des Omentus majus (fettgewebsreiche Duplikatur des Bauchfells) vor

Zum zellreichen Bindegewebe gehören:

  • Embryonales Bindegewebe
    in der Embryonalzeit ausgebildetes pluripotentes Füll- und Stützgewebe
  • Gallertiges Bindegewebe
    typisch für die Nabelschnur und embryonale Haut, kommt beim Erwachsenen nur noch im Weichgewebe des Zahns vor
  • Retikuläres Bindegewebe
    inkl. lymphoretikuläres Bindegewebe und hämaretikuläres Bindegewebe – hat eine hohe Zelldichte und findet sich in Organen wie der Milz oder den Lymphknoten sowie im Knochenmark
  • Spinozelluläres Bindegewebe
    kommt in den Eierstöcken vor

Zum spezialisierten Bindegewebe gehören:

  • Knorpelgewebe
  • Knochengewebe
  • Fettgewebe
  • Blut

Der Aufbau – auch prägend für die Haut

Drei grundsätzliche Bestandteile sind für den Bindegewebs-Aufbau verantwortlich: Dies sind Zellen, Grundsubstanz und Fasern. Die beiden letzten bilden die extrazelluläre Matrix. Die primäre Zelle des Bindegewebes ist der Fibroblast.

Fibroblasten sind die Hauptzellen der Haut. Sie prägen ihre Festigkeit und Dichte. Zudem besitzen sie die Fähigkeit, wichtige Stützmoleküle der Haut wie Kollagen und Elastinfasern zu bilden. Diese wiederum sind für die Widerstandskraft und Elastizität der Haut wichtig. Daneben können noch weitere Zelltypen im Bindegewebe vorkommen: Zellen des Immunsystems (z. B. Lymphozyten) und Fettzellen. Spezialisierte Arten wie z. B. Knorpel- oder Knochengewebe enthalten jeweils unterschiedliche Spezialzellen.

Bei der Grundsubstanz handelt es sich um ein Gel aus Wasser, Proteoglykanen (bestehen zum Großteil aus Kohlenhydraten), Glykoproteinen (bestehen aus einem Protein und mehreren Zuckergruppen) und Glykosaminoglykanen (Mehrfachzucker). Diese Mischung macht das Gel zähflüssig. Die Grundsubstanz kann große Mengen an Wasser binden. Dadurch kann sie die Flüssigkeitszufuhr, die Verteilung von Nährstoffen und die Versorgung des Gewebes ermöglichen.

Schließlich gibt es noch die Fasern. Hierbei handelt es sich um Kollagen, Elastin und retikuläre Fasern. Kollagen verleiht dem Gewebe Stärke und Festigkeit. Die retikulären Fasern sind Spezial-Kollagene. Elastin bildet elastische Fasern, die den Geweben Dehnungs- und Biegeeigenschaften verleihen.

Die verschiedenen Arten von Bindegewebe entstehen aus Variationen der Kombinationen und Anordnung der genannten drei Bestandteile.

Warum hat das Bindegewebe so eine große Bedeutung?

Starkes Bindegewebe trägt zu einem schönen, straffen Hautbild bei. Das ist das, was die meisten Personen damit assoziieren. Doch das Bindegewebe hat noch mehr Aufgaben im Körper.

Es hilft ihm bei der Entgiftung. Da es mit den Blutadern und dem Lymphsystem verbunden ist, versorgt es die Organe und andere Gewebearten mit Nährstoffen. Zudem transportiert es Schadstoffe ab.

Weiterhin stützt es die Organe und hilft ihnen dabei, in der richtigen Position zu bleiben. Über die extrazelluläre Matrix werden Nervenimpulse übertragen. Zudem reguliert das Bindegewebe das Säure-Basen-Gleichgewicht. Es nimmt Säuren auf und neutralisiert sie. Dadurch wird der pH-Wert des Blutes stabilisiert. Außerdem sorgen die Elastin-Fasern für geschmeidige Bewegungen.

Auch an der Wundheilung ist es beteiligt.

Wie unterscheidet sich das Bindegewebe von Frauen und Männern?

Männerhaut ist in der Regel straff und dick. Die Fasern ihres Bindegewebes bilden ein dichtes, geflechtartiges Netz. Dieses sorgt für viel Spannkraft und erschwert die Einlagerung und Fett und Wasser. Passiert dies doch, ist der Bauch die typische Problemzone der Männer.

Das Bindegewebe der Frauen ist anders – nämlich mit gitterartig verlaufenden Fasern – aufgebaut: Es verfügt über dehnbare Zwischenräume, in denen sich Wasser und Fett leichter ansammeln können. Zudem ist bei Frauen die darunter liegende Fettschicht stärker ausgeprägt. Die Fettzellen sammeln sich bei ihnen in Regel verstärkt an den Oberschenkeln und am Gesäß an. Das ist auch der Grund, warum Frauen Cellulite bekommen. Dellen – die im Endeffekt nicht anderes sind als vergrößerte Fettzellen, die von den Bindegewebsfasern nicht mehr zusammengehalten werden können – werden durch die Beschaffenheit des Bindegewebes bei ihnen eher sichtbar.

Die Natur hat diesen Unterschied nicht ohne Grund entwickelt: Die Haut einer Frau muss elastischer sein, um sich bei einer Schwangerschaft dehnen zu können.

Das schadet dem Bindegewebe

Übergewicht

Eine unausgewogene Ernährung und zu viele Kalorien haben eine Fetteinlagerung und damit Gewichtszunahme zur Folge. Je mehr Speicherfett Ihr Körper einlagert, desto sichtbarer werden die Fettzellen. Hinzu kommt, dass ein hoher Anteil an Speicherfett den Abfluss von Lymphe und Blut behindert. Die Folge können zusätzliche Wassereinlagerungen und Schwellungen des Gewebes sein.

Extreme Gewichtsschwankungen

Haut und Bindegewebe mögen es gerne stetig. Strenge Diäten, die mit dem berühmten Jo-Jo-Effekt einhergehen, kann Ihnen Ihr Bindegewebe übelnehmen und folglich schneller erschlaffen.

Bewegungsmangel

Aktive körperliche Bewegung treibt Stoffwechselprozesse im Körper an und fördert die Durchblutung. Diese Prozesse stagnieren bei Bewegungsmangel und können langfristig gesehen zu Übergewicht führen, das dem Bindegewebe nicht guttut.

Nikotin

Der Hauptwirkstoff der Tabakpflanze ist ein Nervengift. Die Pflanze produziert es, um sich vor Schädlingen zu schützen. Beim Rauchen konsumiert, kann es anregend und leistungssteigernd, aber auch beruhigend und entspannend wirken. Rauchen kann schädliche Folgen z. B. für Herz und Lunge bedingen und ist oft für das Entstehen von Lungen- und Blasenkrebs verantwortlich. Nikotin kann auch dem Bindegewebe zusetzen. Es hemmt die Neubildung von Kollagen in der Lederhaut und führt zu einem Abbau von Kollagen- und Elastinfasern. Auf diese Weise kann der Auf- und Abbau des Stützgewebes aus dem Gleichgewicht geraten. Die Folge: Die gesunde Hautstruktur und die Hautelastizität werden gestört. Dies kann das vorzeitige Erschlaffen der Haut und eine Faltenbildung massiv beschleunigen.

Stress

Ein hoher Stresspegel kann zu einer dauerhaften Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führen. Cortisol kann den Abbau von Kollagen begünstigen und so dem Bindegewebe schaden.

Bindegewebe stärken

Sie wollen wissen, wie Sie Ihr Bindegewebe straffen können? Dann schauen Sie gleich mal in unserem Blog-Beitrag „Bindegewebe stärken: Diese Methoden gibt es“ vorbei. Dort geben wir Ihnen allgemeine Tipps. Sollten diese nicht bei Ihnen nicht den gewünschten Erfolg erzielen, können wir Ihnen in unserer Privatpraxis für Dermatologie und Ästhetik in München mit innovativen und bewährten Behandlungen helfen. Diese stellen wir Ihnen in dem Artikel ebenfalls vor. Weiterhin erklären wir Ihnen, wie wir gegen Cellulite vorgehen und somit das Aussehen Ihrer Beine optimieren können.

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